CfP: Interface-Geschichten, Paderborn (24.-25.5.18)

Workshop, Universität Paderborn, 24.-25.05.2018
Eine Kooperation der AG Interfaces und AG Mediengeschichte der Gesellschaft für Medienwissenschaft (GfM)

Frist zur Einreichung von Beiträgen: 31.01.2018

Anknüpfend an die häufig beobachtete Verschränkung von Medien und Geschichte (Crivellari u.a. 2004) scheinen Interfaces und Geschichte in doppelter Weise aufeinander bezogen zu sein: Zum einen sind Interfaces historische Objekte, zum anderen ermöglichen und regulieren sie selbst unterschiedliche Zugänge zur Geschichte Der Workshop möchte diese beiden Dimensionen ausloten und bringt damit die Interessen der AG Interfaces und der AG Mediengeschichte zusammen. An der Schnittstelle zwischen beiden AGs geht es darum, nach Perspektiven und Verfahren zu fragen, um Interfaces als Ergebnis von und als Zugriff auf Geschichte zu beschreiben.In einem ersten Block wird sich der Workshop der Historizität von Interfaces widmen. Die gängigen Definitionen, die ein prozessuales Verständnis von Interfaces nahelegen (Drucker 2011, Galloway 2012, Hookway 2014 u.a.), weisen darauf hin, dass die besondere Zeitlichkeit von Interfaces ihren prekären Status als Forschungsobjekt ausmacht. Interfaces sind als Arrangements aus konventionalisierten Praktiken, Hardware und Software ein ephemerer Gegenstand: Wie lässt sich also methodisch und epistemologisch sicherstellen, dass intersubjektiv nachvollziehbar bleibt, worüber man spricht? In diesem Zusammenhang sollen vor allem Fragen der Archivierung und Dokumentierung von Interfaces aufgeworfen werden, die auch Felder wie die Software Studies beschäftigen. Außerdem denkbar sind genealogische Ansätze (z. B. Hadler/Irrgang 2015), die sich mit der Ausdifferenzierung von Interface-Paradigmen beschäftigen. Darüber hinaus können hier allgemein Fragen adressiert werden, die die Temporalität von Interfaces betreffen, beispielsweise anhand von Phänomenen wie dem Obsoletwerden von Interfaces im Gebrauch oder der Antizipation zukünftiger Interfaces in Werbeästhetik und Science Fiction.

Aus der entgegengesetzten Perspektive stellt sich aber auch die Frage nach den Interfaces der Geschichte. Dem Archiv als Ort, der die logistisch-materielle Bedingung für Geschichte bildet, und den sich in ihm vollziehenden epistemischen Praktiken ist im Rahmen des archival turns etwa seit der Jahrtausendwende zunehmend Aufmerksamkeit entgegengebracht worden (Ernst 2002, Müller 2004, Steedman 2002 u.a.). Der Workshop schließt an diese Positionen an und erweitert sie um die bislang vernachlässigte Frage nach der Rolle, die Interfaces im Zugriff auf Geschichte spielen. Wie prägen Interfaces aufgrund der im Designprozess getroffenen, aber im Vollzug unsichtbar gewordenen Vorentscheidungen Zugänge zur Geschichte? Zu denken wäre hier auch an die Effekte, die gelingende oder scheiternde Interoperabilität zwischen Datenbanken und Systemen zeitigen können. Von solchen Interfaces und ihren Funktionsweisen hängt unmittelbar die Find- und Erreichbarkeit historischen Materials ab. Jenseits klassischer Archive können auch neue Interfaces ein Thema des Workshops sein, die im Rahmen einer allgemeinen Erinnerungs- und Geschichtskultur entwickelt werden. Ein Beispiel sind Augmented Reality Anwendungen, die mit Hilfe lokativer mobiler Medien neue Verhältnisse zwischen Nutzer_innen, Orten und deren Geschichte stiften, ein weiteres Beispiel der Einsatz (und die Theoretisierung) von Interfaces in der Museumspädagogik. Denkbar ist überdies, die Rolle von Interfaces im Kontext von Digital Humanities und Geschichtswissenschaft zu reflektieren.

Mögliche Fragen in diesem Zusammenhang können sein:

  •  Wie lassen sich Interface-Begriffe und -Theorien historisch einordnen?
  • Interface-Geschichte ist unausweichlich immer Versionsgeschichte (Flender 2016). Wie lässt sich aber der Zugang zu älteren Versionen von Interfaces auf Dauer sicherstellen?
  • Welche Quellentypologien von Interfaces sind denkbar bzw. praktikabel? Was wird auf welche Weise überhaupt archiviert? Welche Archivierungspraxis wäre wünschenswert?
  • Welche archivarischen Initiativen gibt es in diesem Bereich und wie könnten mögliche Kooperationen aussehen?
  • Was verrät uns die Erforschung historisch überholter oder gescheiterter Interfaces?
  • Welche Rolle spielen Kommerzialisierung und Standardisierung bei der Herausbildung von Interfaces?
  • Was sind die Prinzipien des Interface- und Interaktionsdesigns im Kontext der lokalen Erschließung von Geschichte?
  • Welche materiellen und immateriellen Interfaces strukturieren Zugänge zu Archiven? Welche epistemologischen Tendenzen zeigt die Geschichte von Archivinterfaces?
  • Haben Interfaces Anteil an der Entstehung und Gestaltung historischer Zeitlichkeit? Wenn ja, welchen?
  • Welche Eigenschaften welcher historischen Materialien werden wie in Interfaces repräsentiert und adressierbar gemacht?

Einreichungen von NachwuchswissenschaftlerInnen und etablierten ForscherInnen sind gleichermaßen willkommen. Reise- und Übernachtungskosten können im Einzelfall (nicht pauschal) übernommen bzw. bezuschusst werden. Vorschläge für wissenschaftliche Kurzvorträge sind bis zum 31.01.2018 möglich. Wir bitten um ein kurzes Abstract (ca. 300 Wörter) und eine knappe biographische Information.

Organisation: Timo Kaerlein (Paderborn), Christian Köhler (Paderborn), Monique Miggelbrink (Paderborn)

Kontakt: timo.kaerlein@uni-paderborn.de

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