Ank.: „Digitale Quellen: Praktiken, Geschichten, Epistemologien“, Workshop der AG Mediengeschichte, Lüneburg, 13.-14.12.17

Organisation: Matthias Koch, Jan Müggenburg (beide Lüneburg), Christian Köhler, Monique Miggelbrink (beide Paderborn)

Datum: 13./14. Dezember 2017

Ort: DFG-Kolleg-Forschergruppe „Medienkulturen der Computersimulation“, Wallstraße 3, 21335 Lüneburg

Kontakt: mkoch@leuphana.de

Eine gemeinsame Veranstaltung der AG Mediengeschichte, der DFG-Kolleg-Forschergruppe „Medienkulturen der Computersimulation“ (MECS) und des Instituts für Kultur und Ästhetik Digitaler Medien (ICAM), Leuphana Universität Lüneburg


Der dritte jährliche Workshop der AG Mediengeschichte fragt nach den Wechselverhältnissen zwischen zeitgenössischer Historiografie und digitalen Medien. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf den Quellen und der Überlegung, mit welchen historischen, epistemologischen und praxeologischen Herausforderungen sich 1) eine digitale Quellenkritik (d.h. mittels digitaler Methoden) im Verhältnis zu einer Kritik digitaler Quellen, 2) eine Geschichtsschreibung mittels digitalisierter und born digital-Quellen sowie 3) eine Geschichtsschreibung dieser diversen Typen von digitalen Quellen konfrontiert sehen.

Eine Ausgangsbeobachtung des Workshops ist, dass – trotz oder gerade wegen der Emphase, mit der die Rolle der Quellen im Rahmen digitaler Historiografie mitunter diskutiert wird – Debatten zur Epistemologie digitaler Quellen bislang nur vereinzelt stattfinden. Ebenso stehen Diskussionen über archivarische, theoretische sowie methodologische Herausforderungen im Umgang mit den historischen Materialien, die als Grundlagen für (Zeit-)Geschichten des Digitalen dienen können, erst an ihrem Anfang.

For all the talk about tools and data not nearly enough attention is being paid to how doing history in the digital age is changing as a result of the digital turn. This tendency towards technological determinism needs to be balanced by more attention to methodological and epistemological considerations. […] An awareness of continuity and a historical contextualization of ‚digital‘ practices is often missing, let alone a qualification of what is supposedly new. (Geerben Zaagsma, „On Digital History“, 2013, S. 5; 16)

Es ist daher zu diskutieren, inwiefern sich das Verständnis dessen, was Quelle für die historische Forschung ist oder sein kann, und die konkrete Arbeit an und mit Quellen verändern. Datenmodellierung ist dabei – als Grundlage jeder digitalen Quelle, digitalen Edition, Korpusbildung, Simulation oder Visualisierung und, so Willard McCarty, epistemologischer Kern der Digital Humanities – ein zentrales Thema. Als Quellentypen werfen Digitalisate und born digitals viele in der Historiografiegeschichte immer wieder diskutierte Fragen erneut mit Nachdruck auf; etwa nach:

  • der Unterscheidung von Quellentypen und der damit verbundenen quellenkritischen Fragen,
  • der Transparenz/Opazität und Lesbarkeit von Quellen
  • den Verfahren ihrer Präparierung,
  • der Rolle von Visualisierung und Repräsentation,
  • den oftmals pragmatischen Grundlagen von Selektion/Kassation oder Archivierung (auch: der Archivierbarkeit überhaupt) und damit auch
  • der Zugänglichkeit von Quellen,
  • dem Wandel von Institutionen und Praxen der Archivierung,
  • der Knappheit und/oder Überfülle von Quellen und deren Folgen für Historiographie,
  • den Verhältnissen zwischen Quellen, Geschichtsschreibung und Geschichtsmodell (z.B.: quantitative Geschichtsschreibung/Big Data/Makrogeschichte),
  • der Materialität von Quellen,
  • der Anwesenheit einer Abwesenheit von Geschichte in Quellen,
  • dem Verhältnis von Faktizität und Fiktionalität (etwa bzgl. Computersimulationen),
  • den Verfahren der Quelleninterpretation und
  • ihrer narrativen Verarbeitung.

Während sowohl born digitals als auch Retrodigitalisate nicht ohne ihr maschinelles Zustandekommen zu betrachten sind, hängen die Entscheidungen darüber, was zur Quelle wird, notwendigerweise von den Fragestellungen, Theorien und Hypothesen ab, mit denen Historikerinnen und Historiker an sie herantreten. Zugleich provozieren die Konfrontation mit und die Erschließung von solch neuartigen medialen Artefakten die Herausbildung von Fragestellungen; besonders angesichts des konstitutiven Anteils, den Parametrisierung, Modellbildung oder Simulation an der Entstehung der hier in Frage stehenden Quellen und auch an jeder damit verknüpften Historiografie haben. Darin liegen spannungsvolle Verhältnisse, die auch Fragen nach historiografischer Autorschaft aufwerfen. Solche und viele weitere Fragen erfordern eine digitale Quellenkritik, zu der der Workshop beitragen möchte. Es gilt also, gleichermaßen forschungspragmatische, projektorientierte Fragen nach dem konkreten Umgang mit digitalen Quellen, epistemologische Fragen nach dem Effekt digitaler Quellen auf das Schreiben der Geschichte sowie historische Fragen nach dem vielfältigen Gewordensein digitaler Geschichtsforschungen zu stellen.

Zum Workshop-Format:
Die Diskussionen finden auf Grundlage von Papieren statt, die unsere Gäste zum Thema verfasst haben und die wir den interessierten Teilnehmer_innen gerne zur Verfügung stellen (Kontakt: mkoch@leuphana.de)

Wir bitten um Anmeldung zur Teilnahme.

Die AG Mediengeschichte bedankt sich bei der DFG-Kolleg-Forschergruppe „MECS“ und dem Institut für Kultur und Ästhetik Digitaler Medien für die Kooperation und Unterstützung des Workshops.

AG Mediengeschichte: www.mediengeschichte.net

DFG-Kolleg-Forschergruppe MECS: http://www.leuphana.de/dfg-programme/mecs.html

Institut für Kultur und Ästhetik Digitaler Medien: http://www.leuphana.de/institute/icam.html

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